Gesetzt, aber flugtauglich

ICH KANN FLIEGEN IM PUBLIC-INTERVIEW

Dass man mit Ende Zwanzig noch Lieder über Liebe schreiben kann, beweist die Band Ich Kann Fliegen aus Hannover auf ihrem zweiten Album mit Bravour. Vor ihrem Konzert bei „Rock Den Dom“ im Juli sprach PUBLIC-Autor Kilian Schwartz vorab mit Frontmann Niko Stege über gewichtige Songthemen, Altersweisheit und die Entstehung von „Alles Flimmert“.

Ihr singt auf Deutsch, viele Texte handeln vom großen Thema Liebe. Glaubst du, dass deutsche Musik einen Hang zum Emotionalen hat?

Das ist ja ein Thema, das die meisten Leute beschäftigt und direkt anspricht. Auf unserem neuen Album geht es aber nicht vorrangig um Liebe, sondern eher um uns und unser Umfeld, Freunde und Freundschaften. Ein paar Lieder sind natürlich noch dabei, in denen es um das Thema geht, allerdings nicht mehr ganz so jugendlich frisch, sondern etwas gesetzter. Ich steuere ja in diesem Jahr auch schon auf die 30 zu, der Durchschnitt in der Band liegt bei etwa 28.

Dann könntet ihr ja demnächst über Themen wie Altersversicherung oder Rückenprobleme schreiben.

Das haben wir bislang versucht zu vermeiden! Allerdings wären das die Themen, die theoretisch als nächstes anstehen.

Im Song „Mich kann nur Liebe retten“ gibt es die Textzeile „Das ist ein Ort, wo ich keinen störe, eine Art zuhause, wo ich hingehöre“. Was bedeutet Zuhause
für euch?

Zuhause ist immer da, wo man sich lange und gerne aufhält und wo Freunde wohnen. ln unserem Fall ist das Hannover. Drei von uns kommen gebürtig hierher, ich selbst komme aus Hessen, fühle mich aber auf jeden Fall als Hannoveraner. Die Region Hildesheim ist da mit eingeschlossen.

Zwei Jahre sind seit eurem Debütalbum vergangen, nun meldet ihr euch mit neuen Songs zurück. Wie weit seid ihr mit dem Album?

Wir haben schon alles aufgenommen, Ende Mai soll auch das Artwerk des Albums fertig sein. Die Leute, die uns beim Crowdfunding unterstützt haben, bekommen die CD schon früher- wir können noch nicht genau sagen, ob das Album im Juli auch schon regulär erhältlich sein wird. Ich würde mir aber wünschen, dass es bei unserem Auftritt in Hildesheim im Juli schon erhältlich ist!

Euer Debüt erschien beim Major-Label Universal, das neue Album habt ihr via Crowdfunding finanziert – wie kam es dazu?

Wir haben lange mit Universal zusammengearbeitet. Nach dem ersten Album war klar, dass wir das darauf folgende nicht auf dem Label heraus bringen. Es gab ohnehin einen Umbruch, ich wurde an den Stimmbändern operiert und für einige von uns ging es mit dem Studium zu ende. Wir hatten also nichts zu verlieren, mussten uns dem ganzen deshalb Druck nicht hingeben und konnten alles entspannt selber machen. Natürlich haben wir das Ganze nur stemmen können mit der Finanzierung und sonstigen Unterstützung unserer Fans.

Verlief der Aufnahmeprozess vom Nachfolgeralbum „Alles Flimmert“ dadurch anders?

Auf jeden Fall. Wir konnten vom Produzenten über das Studio und die Songauswahl alles komplett selbst entscheiden. Natürlich ist es hilfreich, wenn jemand im Aufnahmeprozess mitentscheidet; wenn es aber zu viele Leute sind, die einem rein reden, dann zieht sich der Aufnahmeprozess zu lange hin. Obwohl wir auch großen Wert auf die Meinungen von Freunden gelegt haben, waren wir jetzt größtenteils auf uns alleine gestellt.

Kannst du schon verraten, wie das neue Album klingt?

Es ist ja immer schwierig, über Musik zu reden, anstatt sie zu hören. Ich glaube, dass sich das Album schon von unserem Debüt unterscheidet. Die Themen, die wir ansprechen, sind anders, dazu ist die Musik etwas rauer geworden. Vieles ist im Proberaum entstanden, daher wollten wir die Songs so live wie möglich klingen lassen. Gleichzeitig haben wir darauf geachtet, dass sie live einfach Spaß bringen.

Was dürfen eure Fans bei eurem Auftritt in Hildesheim erwarten?

Unser Drummer ist momentan für ein halbes Jahr in der Türkei, wir spielen gerade mit einem Aushilfs-Schlagzeuger. Ende Juli sind wir dann wieder in Ur-Besetzung, da freu ich mich doppelt drauf. Natürlich gibt’s die neuen Songs und viel gute Laune und Action!

Wie geht’s dann weiter in diesem Jahr?

Wir möchten mit dem neuen Album im Herbst eine kleine Tour durch die Clubs machen. Wahrscheinlich wird die nicht so ausgedehnt wie in den letzten Jahren, sondern eher überschaubar. Es ist aber bisher noch nichts festgelegt.

Das Jugend-Festival „Rock Den Dom“ findet statt vom 24. bis 26. Juli auf dem Domhof. Neben Ichkannfliegen stehen noch Jupiter Jones, Exodus Band, Stromfrei, Judith und lnsa, Alex Amsterdam, Julian Sengelmann sowie ein weiterer Überraschungsgast auf der Bühne.

Der Vorverkauf läuft bereits, das Festivalticket (Freitag bis Sonntag) kostet 20 Euro, der Preis für das Konzertticket am Samstag beträgt 10 Euro. Für alle Jugendlichen ab 14 Jahren gibt es Übernachtungsmöglichkeiten auf dem Zeltplatz oder in Turnhallen.

Anmeldung und Infos unter www.rock-den-dom.de.

Vielen Dank an das Stadtmagazin Public für das Interview

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